Chemie-Tarifrunde Baden-Württemberg endet ohne Ergebnis

„Wirtschaftliche Prognosen der Arbeitgeber bestärken uns in unseren Forderungen“

KARLSRUHE. Die erste Verhandlungsrunde für die rund 77.000 Beschäftigten in der baden-württembergischen Chemie-Industrie endete ergebnislos. Für die Tarifkommission der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE)
Baden-Württemberg ist das unverständlich. „Die Arbeitgeber sagen selbst, dass zwei Drittel der Unternehmen auch 2018 mit steigenden Umsätzen rechnen. Weiter spricht die Arbeitgeber-Umfrage davon, dass 61 Prozent der Betriebe 2018 ihre Produktion ankurbeln werden. Unsere Tarifkommissionsmitglieder bestätigen diese Entwicklungen“, so Landesbezirksleiterin und Verhandlungsführerin Catharina Clay. „Sechs Prozent mehr Geld sind da nur gerechtfertigt.“

Klaus Landry

Tarifrunde Chemie BaWü

In den Verhandlungen verwies Clay darauf, dass laut einer IG-BCE-Betriebsrätebefragung 33 Prozent der Betriebsräte für 2018 mit „steigenden“ und 43 Prozent mit „weiter konstanten“ Gewinnen rechnen. Diese fielen 2017 überdurchschnittlich aus – längst nicht nur in Großkonzernen, wie Reinhard Mangold, Betriebsratsmitglied beim Naturkosmetik- Hersteller Weleda, bestätigt: „Seit Jahren läuft es bei uns rund. Das Ergebnis lag 2017 um 12 Prozent über dem von 2016. Eine 100-Millionen-Euro-Investition am Standort Schwäbisch Gmünd ist beschlossene Sache. Die Zeit ist reif, uns an dieser  Erfolgsgeschichte teilhaben zu lassen.“


Die IG BCE Baden-Württemberg bleibt auch nach dem Ende der ersten Verhandlungsrunde bei ihren Forderungen:

· Erhöhung der Entgelte und Ausbildungsvergütungen um 6 % bei einer Laufzeit von 12 Monaten

· Erhöhung des zusätzlichen Urlaubsgeldes für Vollzeitbeschäftigte von zzt. 20,45 € auf 40 € pro Urlaubstag (Auszubildende: von zzt. 449,94 € auf 900 € jährlich)

· Vor dem  Hintergrund steigender Belastungen, rasant wachsender technologischer Veränderungen und dem Wunsch der Beschäftigten nach mehr Zeitsouveränität, die sich an den jeweiligen Lebensphasen orientiert, wird eine zukunftsorientierte Weiterentwicklung bestehender Arbeitsbedingungen erwartet.


Auch beim letzten Punkt erwarten die Gewerkschafter in den nun folgenden Gesprächen deutliche Fortschritte. Beate Nörenberg, Betriebsrätin Roche Diagnostics: „Wir begleiten derzeit ein Roche-Pilotprojekt zum mobilen Arbeiten, für das wir klare Spielregeln definiert haben. Denn was wir nicht wollen, ist, dass durch permanente Erreichbarkeit und fehlende Auszeiten psychische Belastungen weiter steigen. Klar ist, die Beschäftigten – nicht nur bei Roche – erwarten mehr selbstbestimmte, statt starr vorgegebene  Arbeitszeiten.“


Die IG BCE Baden-Württemberg hat den laufenden Entgelttarifvertrag für die Chemische Industrie Baden-Württemberg zum 31.08.2018 gekündigt. Die Tarifkommission des Landesbezirks hat nun die Bundestarifkommission der IG BCE damit beauftragt, in den bundesweiten Tarifverhandlungen weiter zu verhandeln. 1. Verhandlungstermin ist der 05.09.2018.


Für Rückfragen:
Frank Heßler, Stellvertretender Landesbezirksleiter (Mobil: 0151-11346972)

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